Mit ihren Steroid-Texten haben es Kollegah und Farid Bang geschafft, Heino vom ersten Platz der Charts zu stoßen. Im Kölner E-Werk stiefeln sie breitbeinig auf die Bühne, standesgemäß ausgestattet mit Sonnenbrillen, Goldkettchen und Lederjacke
Die Inszenierung sitzt von der ersten Sekunde an. Ein Video ruft dem Publikum noch einmal in Erinnerung, wer hier gleich die Bühne betritt: Zwei Testosteron-Bullen, die schnelle Autos fahren, mit Drogen handeln, schwere Waffen tragen und denen es beim Rap vor allem darum geht, Sex mit möglichst vielen Müttern zu haben. Dann stiefeln Kollegah und Farid Bang breitbeinig auf die Bühne, standesgemäß ausgestattet mit Sonnenbrillen, Goldkettchen und Lederjacke. Die Klischees des Gangsta-Rap, auf die Spitze getrieben in wenigen Minuten.
Mit ihren Steroid-Texten haben es Kollegah und Farid Bang geschafft, Schlagerstar Heino im Februar vom ersten Platz der Charts zu stoßen. Ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 2" holte in kürzester Zeit Gold. Es ist die Auferstehung des totgeglaubten Gangsta-Rap, der spätestens mit Aggro Berlin zu Grabe getragen worden war. Dabei geht es zuerst um Entertainment - schneller, härter, brutaler. Authentizität wird darüber zur Nebensache. Wie bei einem Splatterfilm, der mit Sex, Drogen und Gewalt bis zur letzten Minute unterhält, schlagen Kollegah und Farid Bang das Publikum in ihren Bann.
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Ob "Dynamit", "Adrenalin", "Titan", "Kriminell und breit gebaut", "Friss oder stirb" oder "Bossmodus" - natürlich geht es auch beim Kölner Konzert ausschließlich um Bitches, Muskeln und das Gefühl absoluter Überlegenheit. Wer nervt, dem wird wahlweise mit dem Totschläger, dem Großkaliber oder - favorisiert - ihrem "Genital aus Stahl" gedroht. Gewaltfantasien, die dem 2009 erschienenen Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 1" eine Indizierung einbrachten: für Minderjährige nicht geeignet.
Zur Beruhigung der Erziehungsberechtigten: Die potenziellen Plattenkäufer im Kölner E-Werk wirken absolut harmlos. Indie-Matten-, Karo-Hemd- und Zahnspangen-Träger, sogar ein paar Frauen sind gekommen. Kollegah und Farid Bang werden es nicht gerne hören, aber ihr Publikum könnte auch das der Ärzte oder der Sportfreunde Stiller sein.
Stiernackenkommando
Dass hier wohldurchdachte Kunstfiguren das "Stiernackenkommando" spielen, verrät schon, dass die beiden drei Outfitwechsel (Rihanna lässt grüßen) und sechs eingespielte Videos nötig haben, um sich halbwegs glaubwürdig als Brutalos zu inszenieren.
Doch auch ein Blick auf Kollegahs Lebenslauf lässt tief blicken: Der 28-jährige Felix Blume studiert im wahren Leben nämlich Jura in Mainz und würde, sollte er seine besungenen Gewalttaten tatsächlich begehen, nie praktizieren dürfen. Hier kommt also zusammen, was zusammenpasst: Rapper, die Gangster spielen, und ein Publikum, dem die Inszenierung von Gewalt viel lieber ist als tatsächliche Grausamkeiten.
Testosteron-Spektakel
Um den Eltern Herzrhythmusstörungen zu verpassen, reichen die verbalen Entgleisungen der beiden Proll-Rapper ja auch vollkommen aus.
"Die Ironie ist klar spürbar", findet die 25-jährige Aylin. Sie genießt das Testosteron-Spektakel ganz allein. Durch halb Deutschland ist die Mönchengladbacherin Kollegah schon zu seinen Konzerten nachgereist.
Warum sie Fan ist? "Er sieht verdammt gut aus", sagt sie und lacht. "Und das reicht doch schon!" Schön, dass wenigstens auch Kollegah nicht vor Sexismus gefeit ist.
Quelle:http://www.ksta.de

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